Gesund leben - Der Weg ist das Ziel

Jasmin hagemann
27. November 2016

Eine Kolumne von Jasmin Hagemann

Heutzutage stehen wir alle unter Druck. Wir müssen schön sein, wir müssen erfolgreich sein, wir müssen gesund leben. Dieser Druck beginnt meist schon in jungen Jahren. Natürlich war das vor zehn Jahren, als ich 15 war, noch nicht so ausgeprägt wie jetzt, aber trotzdem konnte man schon deutlich spüren, dass jeder so langsam anfing das Beste aus sich und seinem Leben machen zu wollen. Allerdings hat man sich ‘damals’ noch mit realen Personen gemessen, was eigentlich weitaus drastischer ist als dieses „Ich-möchte-so-aussehen-wie-dieses-Mädchen-auf-Instagram-Ding“ heutzutage. Man hatte diese Mädchen nämlich jeden Tag live vor Augen und verglich sich mit ihnen.

Ich bin sicher kein Experte, was Fitness- und Ernährungsthemen angeht. Jedoch beschäftige ich mich seit fast fünf Jahren intensiv mit diesen Themen. Ich habe viel ausprobiert und genau dadurch den richtigen Weg für mich gefunden.

Als ich anfing Sport zu machen, ging ich nicht ins Fitnessstudio. Ich fuhr Fahrrad oder Inliner, ging schwimmen oder laufen oder benutzte den Stepper meiner Mutter. Dazu muss ich sagen, dass ich erst mit 21 Jahren anfing regelmäßig Sport zu machen, um etwas für mich und meinen Körper zu tun. Es ist also nie zu spät um anzufangen. Als ich von Zuhause auszog, meldete ich mich im Fitnessstudio an. Für mich war das alles neu und ich hatte wirklich gar keine Ahnung von Fitness. Das ernsthafte Interesse fing an, als ich von Freundinnen überredet wurde Bodypump zu machen. Damit hatte ich etwas gefunden, was mir Spaß machte und ich hatte außerdem die Gesellschaft meiner Freunde. Durch diese habe ich neben Bodypump auch Body Attack, Grit, HIT, Cycling und und und ausprobiert. Privat habe ich mich an Homeworkouts und Laufen versucht. Und was mache ich jetzt? Beim Laufen bin ich geblieben, aber durch einen Wohnortwechsel musste ich auch das Fitnessstudio wechseln und bin jetzt in einem Studio, welches keine Kurse anbietet. Daher mache ich jetzt anstatt Cycling und Bodypump zusammen mit meinem Freund Training mit freien Gewichten. Und zum Dehnen nach dem Training mache ich kleine Yoga-Einheiten.

Allerdings fordern solche Experimente auch ganz schön meine Nerven. Man verliert das Interesse an manchen Sporteinheiten, es macht keinen Spaß mehr oder der Erfolg, den man sich erhofft hatte, kommt einfach nicht. All das hat mich oft zu tagelangen „Fresspartys“ animiert. Frust mit Essen bekämpfen. Definitiv keine schöne Eigenschaft, aber zumindest macht es ja währenddessen glücklich. Ich war mir nie bewusst, dass man sein Ideal nicht erzwingen kann und habe krampfhaft daran festgehalten. Mittlerweile weiß ich aber, dass es mich einfach glücklich macht laufen zu gehen oder gesund zu kochen, ohne dass ich erwarte, dass sofort ein Wunder passiert. Wichtig ist mir, dass ich etwas für mich tue und ich dadurch meine Ziele im Auge behalte.

Natürlich bewundere ich all die Menschen, die einen Weg gefunden haben, in jedem Rückschlag etwas Positives zu sehen. Ich kann das leider nicht und ich möchte das ehrlich gesagt auch gar nicht. Gewiss sollte man sich nicht allzu sehr runterziehen lassen, aber wie soll man sich sonst selbst kennenlernen, wenn man alles Negative überspielt? Jeder Stein, der euch in den Weg gelegt wird, ist eine Erfahrung. Wenn ihr mit einer Ernährungsweise nicht vorankommt, dann heißt das meistens, dass ihr dort noch nicht am Ziel seid. Ihr habt die Möglichkeit bekommen weiteres auszuprobieren und euch zu entwickeln. Selbst ich probiere mich noch aus und bin auch manchmal enttäuscht, wenn es nicht so hinhaut, wie ich es gerne hätte. Ich habe aber mit der Zeit gelernt, dass nicht jede Art von Ernährung bei mir wirkt, die dafür aber vielen anderen hilft. Ihr müsst euch darüber bewusst werden, dass jeder Körper anders ist und auch etwas anderes braucht. Kein Mensch ernährt sich perfekt und das ist auch gar nicht schlimm, solange ihr selbst lernt damit zufrieden zu sein.

Macht euch keine Gedanken darüber, wenn ihr erst am Anfang des Weges seid. Jeder wird seinen Weg finden und dafür solltet ihr euch am besten Unterstützung holen. Bezieht eure Freunde und Familien mit ein, wenn ihr mal Probleme habt und euch wieder darüber sorgt, ob ihr genug Sport gemacht habt oder ob es okay war, den Burger zu essen. Es ist wirklich viel wert, wenn man reden kann und es hilft euch, nicht in eine Essstörung zu verfallen. Gerade am Anfang ist das Risiko sehr hoch, dass bevorzugt wird weniger zu essen, anstatt sich einer ausgewogenen Ernährung zu widmen. Natürlich nimmt man erst einmal schneller ab, wenn man wenig isst, aber es ist definitiv nicht gesund und kann zu Mangelernährung führen.

Ich muss auch ehrlicherweise sagen, dass ich aus diesem Teufelskreislauf noch nicht komplett heraus bin. Was die Ernährung angeht, komme ich ganz gut klar und rede mir keinen Verzicht mehr ein, aber wenn ich mal nicht zum Sport gehe, sagt die kleine Stimme in meinem Kopf immer noch „Schäm dich“! Zwar ist sie nicht mehr so laut wie früher, aber es ist schon manchmal schwierig zu sich selbst zu sagen, dass es nicht schlimm ist sich mal eine Pause zu gönnen. Ich bin wirklich froh, dass ich Freunde habe, die ehrlich zu mir sind, wenn ich mir mal wieder Mist einrede. Es ist ein langer Weg zu einem gesunden Denken über sich und seinen Körper, aber es lohnt sich auf jeden Fall den Weg zur Selbstliebe zu betreten. Das ist nämlich auch der Weg zu einem glücklichen und gesunden Leben.


Jasmin Hagemann ist neben ihrer beruflichen Tätigkeit in einer Verwaltung als Bloggerin auf www.aboutjassy.de unterwegs und schreibt dort über Reisen, Sport und ihren Weg zu einem gesunden glücklichen Leben. 


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