Fasziales Training: Ein Trend, der bleibt!

Fasziales Training ist derzeit in aller Munde. Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf die Methode zu werfen, denn die Forschung verspricht: Es ist ein Trend, der bleibt! Nach wenigen Monaten soll das Bindegewebe geschmeidiger, nach ein bis zwei Jahren komplett erneuert sein; für mehr Beweglichkeit jetzt und im Alter.

Ein so effektives Workout in kurzer Zeit gab es noch nie. Zwei Einheiten pro Woche á zehn Minuten sollen ausreichen, um den Körper nachhaltig gesund und elastisch zu halten. Fasziales Training ist einer der großen Trends 2015 und in der Forschung noch lange nicht zu den Akten gelegt. "Es gibt Trends, die die Szene beleben, aber schnell wieder verschwinden. Fasziales Training gehört zu den Richtungen, die sich abzeichnen, entwickeln und auch bleiben. Das Thema ist brandaktuell und wird noch lange von Bedeutung sein", sagt Fitnessexpertin Johanna Fellner


Was sind Faszien?

Im Mittelpunkt vergangener wissenschaftlicher Untersuchungen standen vorwiegend die einzelnen Muskeln. Doch nicht nur die geben uns Form und Haltung. Die Arbeit mit den Faszien (lat.: Band, Bündel) ist mindestens genauso wichtig. Die endlose netzartige Struktur, die hauptsächlich aus Kollagenfasern besteht, erstreckt sich über unseren gesamten Körper. Sie ist die Weichteil-Komponente des Bindegewebes, die alle Knochen, Muskeln und die inneren Organe mit einer dünnen, weißen Schicht umhüllt. Diese ist sehr anpassungsfähig, also fest und elastisch zugleich. Faszien werden gerne auch als "Netz des Lebens" bezeichnet - ohne das Gewebe würden wir in Einzelteile zerfallen.


Bekannt ist das Netzwerk schon lange. Die Bedeutung wurde aber erst jetzt genauer erforscht. Das Ergebnis: Bei jeder Bewegung ziehen sich die Faszien auseinander, schnellen wieder zusammen und geben dabei zusätzliche Energie frei. Ein gesundes Bindegewebe garantiert so belastbare Sehnen und Bänder, schützt Muskeln vor Verletzungen, wehrt Krankheitserreger und Infektionen ab, unterstützt die Heilung, bindet körpereigenes Wasser und beeinflusst Kraftentwicklung und -übertragung. Regelmäßig und gezielt trainiert, erneuert sich unser Gewebe alle 6-24 Monate. Es hält uns jung und beweglich; chronische Rückenschmerzen werden gelindert. Zudem wirken Faszien als zusätzliches Sinnesorgan, mit dem wir unseren Körper besser wahrnehmen und steuern können. Denn sie enthalten sehr viele Nervenenden und Rezeptoren, die dem Gehirn Rückmeldungen über alle Bewegungen, die Körperhaltung und das Gleichgewicht geben.


"Ist das Fasernetz der Faszien intakt, also hochelastisch, geschmeidig und belastbar, dann lassen sich körperliche Höchstleistungen abrufen und garantieren auch eine körpereigene Verletzungsprophylaxe."


Verklebte Faszien verursachen Schmerzen

Viel Stress, wenig Bewegung und Fehlhaltungen sind klassische Gründe für verklebte, verdrehte Faszien. Die Folgen: Es kommen falsche Signale von den gestörten Faszien bei den Muskeln an. Das schränkt Bewegungsfähigkeit und Flexibilität ein, der Körper ist verspannt und schmerzt. Schnell betroffen ist der Rücken. Denn da liegt die größte Faszie des Körpers, die Thoracolumbar Fascia, die große Rückenfaszie. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass das muskuläre Bindegewebe mit besonders vielen Nervensensoren versehen und dementsprechend empfindlich ist. "Oft schieben Ärzte die Schuld für Schmerzen dann rasch auf die Bandscheiben", sagt Humanbiologe Dr. Robert Schleip. "Mittlerweile häufen sich jedoch die Hinweise, dass die Faszien selbst die meisten Beschwerden verursachen."


Machen die Faszien erst einmal Probleme, ist Geduld gefragt. Da die Fasern stoffwechselarm sind, sind positive Veränderungen erst nach Monaten oder Jahren sichtbar. Das ist deutlich langsamer als bei herkömmlichen Muskeltraining. Trotzdem lohnt sich das Warten, denn die Methode ist sehr nachhaltig. Um die Struktur zu glätten sind dehnende, springende, federnde und schwingende Bewegungen wichtig. Manuelle Therapien wie beim Rolfing und in der Osteopathie, aber auch bei Akupunktur, Tai Chi, Pilates und Yoga sind sinnvolle Maßnahmen. Diese sind nicht nur für das Reha- und Präventionstraining bedeutend, wo sie eine schnellere Heilung und erheblichen Schutz vor Verletzungen erzielen. Auch für den Breiten- und Leistungssport ist fasziales Training interessant. Wo andere Ansätze ihre Grenzen erfahren, sind damit weitere Leistungssteigerungen möglich.


"Das Resultat von Faszienpflege: Die Körperwahrnehmung steigt, man fühlt sich gelenkiger und sinnlicher."



Sinnvolles Faszientraining:

  • Zwei, drei Einheiten pro Woche á zehn Minuten reichen aus, um nachhaltige Effekte zu erzielen. Zu viel Training schadet sogar, denn Faszien können auch ausleiern.
  • Muskeln und Gewebe vor dem Training kurz aufwärmen.
  • Die einzelnen Übungen werden nur wenige Minuten gehalten und können nach Belieben gewechselt werden  (zwei Sätze á 5-10 Wiederholungen). Gut sind Bewegungsvariationen wie kleine Richtungsänderungen.
  • Wichtig ist es, Übungen zu wählen, die den ganzen Körper dehnen, denn Faszien reagieren hauptsächlich auf solche Reize.
  • Regelmäßige und abwechslungsreiche Bewegungen regen unter anderem den Stoffwechsel und den Flüssigkeitsaustausch an oder führen dazu, dass entzündungshemmende Botenstoffe ausgeschüttet werden.
  • Leichten Druck auf das Gewebe ausüben. Anfängliche (wohltuende) Schmerzen sind typisch und zeigen, dass die Faszien tatsächlich verklebt sind. 


Die vier Bereiche des Workouts:

  1. Soft-Tissue Stretching - kreatives Ganzkörperstretching
  2. Rebound Elasticity - Vorspannung der Faszienstruktur für effektiveres Krafttraining
  3. Fascial Release - Eigenbehandlung mit Black Roll ect., um Druck zu geben und Verklebungen zu lösen
  4. Fluid Refinement - vielfältige Impulse um die Sinnlichkeit zu steigern


Interessante Informationen zum Faszientraining auch im Interview mit Expertin Divo Müller!

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Catrin hat Sportjournalismus in Köln studiert. Wenn sie nicht über Sport schreibt, ist sie selbst aktiv: auf dem Tennisplatz und im Fitnessstudio. Seit Oktober 2014 schreibt sie für fitogram - natürlich über alles rund um das Thema Bewegung.