Interview: Prof. Bloch über High Intensity Training

High Intensity Training besteht aus kurzen, sehr intensiven Einheiten, die effektiver als die der meisten anderen Prinzipien sind. Professor Wilhelm Bloch, Experte für Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln, über ein Trainingsprinzip mit großer Zukunft.

Warum ist High Intensity Training effektiver als andere Trainings?

"Beim HIT geht der Sportler an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Dieser Schwellenwert ist notwendig, um gewisse Anpassungsprozesse in den Körperzellen auszulösen. Mit HIT Training kann man also (Zusatz-)Effekte erzeugen, die man mit anderen Trainings nicht erreicht. Außerdem sind mit HIT teilweise noch Leistungssteigerungen möglich, während andere Trainingseffekte stagnieren."


Für wen ist HIT Training geeignet?

"HIT ist sowohl für Breiten- als auch Leistungssportler geeignet. Darüber hinaus kann es im Gesundheitsbereich eingesetzt werden. Wir untersuchen gerade, wie sich das Training auf gesunde, aber auch kranke ältere Menschen auswirkt. Die Skandinavier haben unter anderem das bereits bei Menschen mit sportlicher Vorerfahrung aber mit Bluthochdruck getestet: Das Lauftraining mit vier Wiederholungen á 30 Sekunden locker laufen, 20 Sekunden Dauerlauf, 10 Sekunden sprinten und einer Minute Pause hatte wesentlich höhere Effekte auf die Gefäße und den Blutdruck als vergleichbare Trainings wie High Volume."


In welchem Trainingsbereich wird HIT Training angewendet?

"HIT ist besonders effektiv im Ausdauerbereich beim Joggen oder Radfahren, denn da wirkt es langfristig. Es ist aber auch als Wettkampfsimulation auf spezifischen Sportarten wie Judo übertragbar, wenn man beispielsweise innerhalb kurzer Zeit viele anstrengende Griffe hintereinander macht. Im Kraftbereich ist das hingegen schwierig, da die Leistung nach vollem  Krafteinsatz schnell nachlässt. In dem Fall sind andere Trainings besser geeignet."


Wird HIT Training eher einzeln oder als Zusatz angewendet?

"Da gibt es je nach Vortraining und aktuellem Leistungsstand des Sportlers sicher individuelle Unterschiede. Generell kann das Training beispielsweise mit High Volume kombiniert werden, entweder periodisch oder im täglichen Wechsel. High Volume könnte dabei die Voraussetzung schaffen, um danach mit HIT Training stärkere Effekte zu erzielen: Muskelfaseranpassung,Muskelwachstum, Muskelfaserkernzunahme, etc."


Welche Trainingszeit ist die effektivste?

"Es gibt verschiedene Strategien, welche davon die effektivste ist, ist nicht abschließend geklärt. Denn man weiß nicht, wie genau welche Stimuli wirken. Die meisten machen entweder vier Durchgänge á 30 Sekunden oder á vier Minuten Belastung und vier Minuten Pause dazwischen."


Was passiert während des Trainings im Körper?

"Im Prinzip passiert das, was bei jedem anderen Training auch passiert: Es setzt einen mechanischen, metabolischen und hormonellen Stimulus und bringt den Körper aus seinem Gleichgewicht. Da die Reize beim HIT intensiver sind, fallen auch die körperlichen Reaktionen stärker aus. So ist auch der kardiovaskuläre Effekt relativ hoch."


Es heißt, die nachträgliche Fettverbrennung beim HIT Training sei besonders hoch.

"Früher dachte man, kurze, intensive Trainingseinheiten würden eher den Kohlenhydratstoffwechsel anschieben. Mittlerweile ist bekannt, dass auch die Fettverbrennung stimuliert wird. Es kommt im Nachhinein also zu einer verstärkten Aktivierung von Enzymen, die letztendlich für die Lipidverwertung und für die Fettsäureoxidation verantwortlich sind."


Wie wichtig ist die Regeneration?

"Da die intensiven Reize die Strukturen enorm stressen, ist die Frage, wie man die Pausen gestaltet, sehr wichtig. Denn Pausen sind der Zeitraum, in denen sich die Effekte auswirken. Je länger und/oder intensiver die Belastung ist, desto länger muss auch die Regeneration sein. Das gilt besonders für ältere Menschen, die einen anderen Regenerationszyklus haben und bei denen die Umsetzung der Effekte langsamer verläuft."


Was ist künftig von dem Trainingsprinzip zu erwarten?

"Wir müssen weiter untersuchen, welche spezifischen Stimuli man bei welchen HIT-Protokollen erzeugt. Und diese Protokolle müssen dann optimiert und an Zielgruppen angepasst werden, um den optimalen Effekt erzielen zu können. Dabei werden die Patienten stärker in den Fokus rücken, sprich die Anwendung von HIT begleitend zur Therapie im Rehabilitationsbereich: Welche Protokolle wirken auf welches Krankheitsbild ein, wie stark kann ich beispielsweise Krebs- oder COPD-Patienten damit belasten?"

Autor

Autor

Catrin hat Sportjournalismus in Köln studiert. Wenn sie nicht über Sport schreibt, ist sie selbst aktiv: auf dem Tennisplatz und im Fitnessstudio. Seit Oktober 2014 schreibt sie für fitogram - natürlich über alles rund um das Thema Bewegung.


Das könnte Dich auch interessieren