Mike Diehl: "Eine gewisse Härte gehört zum Training dazu."

Als ehemaliger Elitesoldat und Ausbilder von Spezialeinheiten bei der Bundeswehr weiß Mike Diehl was es heißt, fit zu sein. Seine langjährigen Erfahrungen als Soldat und Trainer im Profi- und Breitensport hat der Kölner Konditionsexperte nun in einem Buch zusammengefasst. "Einfach fit: Training ohne Geräte" stellt effektive Übungen mit dem eigenen Körpergewicht vor.

Herr Diehl, die Grundlage für Ihre Karriere als Personal Trainer liegt sicher in der Bundeswehrzeit. Wie sah ein klassisches Fitnesstraining dort aus?

Ich komme aus dem Bereich der Spezialeinheiten, schon damals lag der Schwerpunkt auf funktionalem Training. Wir sind viel gelaufen, haben Zirkeltraining gemacht - all das, was jetzt wieder in Mode ist. 


Gab es einen Moment in dieser Zeit, in der Ihre Fitness Sie "gerettet" hat?

In Übungen und im Einsatz hat unsere Fitness vermutlich unsere Gesundheit und unser Leben gerettet. Unser Training war hart, fordernd und sehr gefährlich. Wir sind beispielsweise Fallschirm gesprungen, was man nur dann verletzungsfrei überstanden hat, wenn man fit war. Das gilt erst recht für die wochen- und monatelangen Einsätze in Afghanistan. Da hat die körperliche Fitness zusätzlich die mentale Stärke beeinflusst.


Waren Sie schon damals besser in Form als Ihre Bundeswehrkollegen?

Natürlich waren wir alle gut in Form, das gehörte zu unserem Job. In eine Spezialeinheit kommt man nicht, weil man es sich wünscht, sondern weil man es sich erarbeitet. Aber es stimmt schon, dass ich immer ein besonders großes Interesse an Fitness hatte. Ich habe alles hinterfragt, den Sport als Ausgleich gesehen. Dadurch habe ich schon in jüngsten Jahren die Verantwortung übertragen bekommen, mich um die Fitness in der Bundeswehr zu kümmern. 


Welche Bedeutung hat neben guter Fitness die mentale Stärke?

Beides muss optimal ineinander verzahnen, so entsteht ein Gleichgewicht. Ich lebe schon lange das Motto "Mindset ist everything". Man kann noch so gut trainiert sein: wenn der Kopf nicht mitmacht, dann funktioniert es nicht. Das ist in jeder Sportart so, man braucht das Bewusstsein für Sport und Wettkampf. Dazu kommt, dass man im Sport wie im Leben ein Ziel vor Augen haben muss, das man verfolgt.


Welche Erfahrungen aus der Bundeswehrzeit haben Sie in Ihr Personal Training übernommen?

Ich habe diesen ganzheitlichen Ansatz verinnerlicht und übernommen und stimme ihn auf die jeweilige Sportart oder Person ab. Natürlich verstehen nur wenige, was wir drei, vier Wochen lang in Afghanistan erlebt haben: Gefechtshandlungen, Übungssprünge aus dem Flugzeug... Im übertragenden Sinne geht es um Ernsthaftigkeit und Disziplin, die ich vermittele. Ich sehe mich als Werkzeug meiner Kunden, die etwas erreichen wollen und unterstütze sie bei ihren Zielen. Profisportlern fällt dieser Ansatz etwas leichter. Denn es ist egal, ob ich in einem Kampfgeschehen in Afghanistan bin oder auf dem Sportplatz. Jeder hat den Willen zu gewinnen, jeder muss sich den beiden Grundverhalten Jagd und Flucht stellen. Wenn ich im Gefecht oder auf dem Platz bin, kann ich nicht ausweichen, ich muss angreifen. Diese Erfahrungen, die ich um Leben und Tod gemacht habe, gebe ich sehr gerne weiter.

Sie arbeiten mit Profisportlern wie Tennisspielerin Andrea Petkovic zusammen. Welche Kunden sind leicht, welche schwierig zu trainieren?

Die Sportler, die auf mich zukommen, haben grundsätzlich genug eigenen Antrieb. Aber je länger die Saison ist, desto mehr muss ich motivieren, das gilt beispielsweise für die Tennisspieler wie Angelique Kerber, die erst letztens bei mir war. 


Sie sind als sehr harter Trainer bekannt. Ist Härte das wichtigste Mittel, um (Profi-)Sportler fit zu machen?

Also zuallererst muss ich sagen, auch wenn ich als harter Trainer bekannt bin, privat bin ich sehr weich (lacht). Aber es ist tatsächlich so: Wenn ich die Nummer eins werden möchte, erreiche ich das nur durch Disziplin. Schwache Menschen kommen nicht weiter, eine gewisse Härte gehört einfach dazu. Ich sage gerne, "den Weg zwischen Wunsch und Realität nennt man Disziplin". Es ist ein gesellschaftliches Problem, dass wir davon nur noch sehr wenig haben. Deswegen kommen die Leute zu mir, um das zu erlernen. Ich trainiere ja nicht nur (Profi-)Sportler, sondern auch Privatkunden.


Ein Schwerpunkt von Ihnen ist das Konditionstraining. Was zeichnet modernes Konditionstraining aus?

Es muss funktional sein und alle Bereiche abdecken. Alle Komponenten der Kondition, sprich Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination, werden optimal vereint. Ich arbeite mit dem eigenen Körper, denn er ist das, was wir mit uns herumtragen. Die Zeiten, in denen ich gesagt habe, dass ich nur durch zehn Kilometer Laufen fit bin, sind vorbei. Heutzutage ist es wichtig, dass ich fünf Stockwerke nach oben gehen und einen Sprudelkasten tragen kann, in der Präsentation und auf dem Tennisplatz fit bin.


Wie kam es zu der Idee, ein Buch zu veröffentlichen?

Das Tennismagazin hat einen Bericht über meine Methoden, die gerade in diesem Bereich sehr kontrovers diskutiert werden, veröffentlicht. Mein späterer Co-Autor Felix Grewe hat sich das vor Ort in der Türkei angeguckt und abends beim Thekengespräch ergab sich die Idee, ein ganzes Buch zu schreiben - zunächst eine Schnapsidee sozusagen. Mittlerweile gehen wir in die dritte Auflage. Man merkt, dass die Fitnessbranche extrem wächst. Die Leute haben derzeit ein starkes Bewusstsein für Sport und Gesundheit, vor allem für Übungen mit Eigengewicht, die man Zuhause machen kann. Nach Feierabend im Stau zu stehen, um bis acht Uhr im Fitnessstudio zu sitzen, darauf haben immer weniger Sportler Lust.


Im Vordergrund stehen Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. Warum sind gerade die so effektiv?

Wir tragen nicht etwa ständig Hanteln mit uns herum oder setzen uns an Maschinen, wir tragen tagtäglich unseren Körper herum. Warum also ins Fitnessstudio gehen, wenn ich mit diesem Eigentum eine perfekte Grundlage habe? Effektiver geht es nicht.


Das Buch zeigt mehr als 100 Übungen zum Nachmachen. Welche davon ist Ihr Favorit?

Ich integriere die verschiedenen Übungen ins Training, habe aber keinen Favoriten. Grundsätzlich gefällt mir Bauch- und Rückentraining und bin ich ein großer Verfechter von Tabata, also High Intensity Training. Ich setze mir das Level dann immer so hoch, dass ich aus meiner Komfortzone gedrängt werde. Das bedeutet auch, dass ich manchmal um vier Uhr morgens aufstehe und eine Stunde später zum Training mit meinen ehemaligen Bundeswehr-Kollegen gehe. 


Gibt es eine Kernaussage im Buch, die jeder beherzigen sollte?

Liebt das Leben und habt viel Spaß! Das Leben ist nunmal endlich, wir schulden Körper, Geist und Umwelt etwas.

Zur Person

Mike Diehl ist Fitnesscoach für Sport und Gesundheit. Früher gehörten die Fußballspieler von Fortuna Düsseldorf und die Eishockeyspieler der DEG Metro Stars zu seinen Kunden, heute die Tennisspielerin Andrea Petkovic sowie das deutsche Fed-Cup-Team. Zudem ist der 48-Jährige Fachsportleiter für Kondition und Fitness bei der Bundeswehr. Sein Buch "Einfach fit.: Training ohne Geräte" (März 2015) richtet sich an Einsteiger und Fortgeschrittene und zeigt mehr als 100 effektive Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, außerdem Ernährungs- und Motivationstipps. 


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Bilder: Mike Diehl

Autor

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Catrin hat Sportjournalismus in Köln studiert. Wenn sie nicht über Sport schreibt, ist sie selbst aktiv: auf dem Tennisplatz und im Fitnessstudio. Seit Oktober 2014 schreibt sie für fitogram - natürlich über alles rund um das Thema Bewegung.