Nick Hein: "Ich habe schon immer daran geglaubt, dass ich es schaffen kann."

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09. Oktober 2015

"Manchmal habe ich im Wettkampf gedacht: 'Ich will dem jetzt einfach eine einschenken!'"

Im folgenden Interview spricht der deutsche UFC-Fighter Nick Hein über seinen Weg zum MMA, seine Ambitionen und wie er das Ganze mit seinem Privatleben und der Familie vereinbart. 

Hallo Nick, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast. Zuallererst stell dich doch kurz vor und gib uns ein paar Informationen zu deiner Person.

Ich bin Nick Hein, 31 Jahre alt, verheiratet und habe einen fünf Jahre alten Sohn. Seit 2009 bin ich MMA-Profisportler und seit 2014 kämpfe in der UFC.

Bis zum Anfang letzten Jahres war ich noch bei der Bundespolizei tätig und musste schweren Herzens meine Uniform abgelegen, weil es zu einem Konflikt zwischen meiner Ambition als MMA-Profi und meinem Behördenstatus kam. Im Moment befinde ich mich in Tokio, weil meine Frau Japanerin ist und mein letzter Kampf in Japan stattfand.

Du bist einer der bekanntesten MMA-Kämpfer Deutschlands und kämpfst seit 2014 in der größten MMA-Liga weltweit. Erzähl uns doch, wie du zum Kampfsport gekommen bist und was dich daran so fasziniert.

Zum Kampfsport bin ich durch das Judo gekommen. Damals war ich großer Bruce Lee-Fan und wollte schon immer eine Kampfsportart betreiben. Meine Mutter sagt noch heute, dass ich mit Judo angefangen habe, weil dort ein Mädchen trainiert hat, das ich im Kindergarten ganz toll fand (lacht).

Vom MMA war ich begeistert seit ich die ersten Teile der UFC auf VHS gesehen habe. Am meisten fasziniert mich daran, dass die Kampfsportarten alle gemischt auftreten und es diese Mischung sogar in einer Wettkampfform gibt.

Früher warst du international erfolgreicher Judoka und hast die Europameisterschaft gewonnen. Wann hast du dich fürs MMA entschieden und warum?

Das war ein stetiger Prozess. Judo war eben immer aufs Judo beschränkt. Ich habe auch damals schon geboxt. Als ich dann gemerkt habe, dass es im Judo auch Techniken gibt, die einfach für den realen Fall total unsinnig sind, hat mir das nicht mehr gereicht.

Manchmal habe ich im Wettkampf gedacht: "Ich will dem jetzt einfach eine einschenken!". Judo hat mich einfach nicht mehr so fasziniert wie das, was ich damals auf der VHS gesehen habe.

Hättest du damals schon gedacht, dass du es so weit bringen wirst bzw. war es schon immer dein Ziel mal auf der ganz großen Bühne zu stehen?

Mein Ziel war es auf jeden Fall. Ein ehemaliger Judo-Trainer hat mir irgendwann die Gewissheit gegeben, dass man im Leben etwas Großes erreichen kann, wenn man immer dran bleibt.

Ich habe schon immer daran geglaubt, dass ich es schaffen kann. Manchmal muss ich mich selbst noch zwicken, um zu realisieren, ob das auch wirklich echt ist.

Mittlerweile hast du schon deinen dritten Kampf in der UFC gewonnen. Was bedeutet dein letzter Sieg in Japan für dich?

Das war für mich der Beweis, dass ich auch international immer bereit bin meine Leistung abzurufen. Ich stand jetzt schon insgesamt 60 Minuten im UFC-Oktagon und habe immer meine Leistung gebracht und bin der Meinung, dass ich mich dadurch auch für größere Aufgaben empfohlen habe.

Was geht dir vor dem Einlauf in das Oktagon durch den Kopf?

(zögert)...Das sind schon sehr intime Gedanken, die schwer zu verallgemeinern sind. Das ist immer individuell. Das ist zum Beispiel abhängig von der Vorbereitung oder der aktuellen Lebenssituation. Oft sind das Gedanken und Gefühle, die ich nur mit meiner Frau teile.

Den größten Teil der Zeit vor dem letzten Kampf lag ich in der Umkleidekabine und habe geschlafen. Danach habe ich sehr leise mit meiner Frau geredet. Im Optimalfall denke ich relativ wenig vor dem Kampf und bekomme eine Art Tunnelblick. In dem Fall handle ich sehr instinktiv.

Wie ist der Sport und das intensive und zeitaufwändige Training mit einem Privatleben und der Familie zu vereinbaren?

Mein Sohn und meine Frau sind immer dabei. Wir sind zusammen 365 Tage im Jahr auf der ganzen Welt unterwegs. Meine Frau ist meine Managerin.

Wir haben es geschafft unser Privatleben und unseren Lebensinhalt zu unserem Job zu machen. Das ist ein absoluter Traum. Problematisch wird es, wenn unser Sohn nächstes Jahr zur Schule gehen wird.

Die letzten Worte gehören dir.

Ich danke dem lieben Gott dafür, dass meine Familie gesund ist - dass wir unseren Traum leben können. Und vor allem danke ich meinen Fans. Die stehen wie eine Wand hinter mir.

Ich werde nie vergessen, wie bei meinem ersten UFC-Kampf in Berlin die Halle gebebt hat und mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat.

Vielen Dank für das Interview!