„Und wann isst du wieder normal?"

Vom Umgang mit blöden Sprüchen in einer Diätphase

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28. November 2016

Eine Kolumne von Anja Licht 

Im Mai 2015 habe ich meine Ernährung umgestellt und war wirklich absolut konsequent bis April 2016 auf Diät. No excuses und so! Ich habe 20kg abgenommen und in meinem Leben ist heute kaum noch etwas wie es vorher war. Dieses Jahr hat nicht nur mich und meine Beziehung zu meinem Körper und meiner Waage, sondern auch meine Partnerschaft, meinen Freundeskreis, meinen Tagesablauf, mein Essverhalten, meinen Trainingsplan, meine Gewohnheiten und Gedanken, meine Freizeitaktivitäten, meine Urlaube, meine Einkäufe, den Inhalt meines Kühlschranks und meines Kleiderschranks, mein Selbstvertrauen und inzwischen sogar meinen Job verändert!

Doch während ich mich von Tag zu Tag immer mehr veränderte und an mir arbeitete, blieb mein Umfeld dasselbe. Bis auf meinen Partner, der ja tagtäglich alles hautnah miterlebte und alles von Anfang an unterstützte, veränderte sich nichts um mich herum und irgendwann ging es los…mit den dummen Sprüchen.

Die ersten Wochen und sogar Monate merkten die wenigsten, dass ich Woche für Woche konstant ca. ½ - 1kg Gewicht verlor. Ich trainierte 5x die Woche zu Hause im Schlafzimmer mit einer Matte und zwei Paar verstellbaren Kurzhanteln – auch hiervon bekam natürlich niemand etwas mit.

Erst als ich schon über 10kg abgenommen hatte, fiel es den Leuten schlagartig auf. Zuerst waren alle begeistert und freuten sich, gratulierten oder wollten wissen, wie ich das geschafft habe. Kurze Zeit später allerdings fingen die Sprüche an. Ich glaube jeder, der schon einmal sichtbar abgenommen hat, kennt das nur zu gut. Ich habe mich immer gefragt, was das soll?! Es kommt ja sogar von Menschen, die vorher der Meinung waren, man solle abnehmen. Ist es Sorge? Unverständnis? Angst? Schock? Oder einfach nur…Neid?!


Welche Sätze habe ich im letzten Jahr am häufigsten gehört??? Ihr kennt diese Sätze sicher – aber ich schreibe hier ein paar meiner Favoriten noch einmal zusammen:

„Und wann isst Du jetzt eigentlich wieder normal?“
„Schlanksein passt einfach nicht zu dir.“
„Jetzt sieht’s aber langsam krank aus.“
„Also so wie Du Dich ernährst und so viel Sport wie Du machst, das kann ja nicht gesund sein….“
„Pass bloß auf, dass Du nicht magersüchtig wirst!“
„Du bist gar nicht mehr DU!“
„Möchtest Du auch Kuchen? – Achso neee, stimmt ja. Du isst sowas ja nicht mehr (Augenrollen).“
„Kannst Du nicht heute mal eine Ausnahme machen?“
„Mit Dir kann man ja nirgendwo mehr hingehen…“

Anfangs haben mich diese Fragen soooo wütend gemacht, aber inzwischen kann ich darüber lachen…Denn ich diskutiere nicht mehr! Ich habe aufgehört mich zu rechtfertigen und zu versuchen anderen zu erklären, dass ich heute viel mehr esse als früher, aber eben andere Dinge. Ich habe aufgehört mich darüber zu ärgern, dass mich andere nicht verstehen wollen. Ich lasse mich nicht mehr beeindrucken von diesen Sprüchen und lasse sie einfach an mir abprallen, denn sie sind eigentlich nicht an mich gerichtet, sondern drücken nur aus, was euer Gegenüber eigentlich auch gerne schaffen würde oder gerne hätte. Klar gelingt mir das auch nicht immer – aber ich werde von Tag zu Tag besser.

Ich habe es endlich nicht nur verstanden, sondern es getan! Ich habe meine Ernährung umgestellt. Für immer (hoffentlich)! Es ist keine temporäre Sache mehr – keine Diät von ein paar Wochen Dauer. Es ist ein Lifestyle geworden, der sich täglich mit mir weiterentwickelt. UND ICH HÖRE NICHT AUF! ICH LASSE NICHT MEHR LOCKER!

Zuerst war ich konsequent, dann standhaft. Durch die ersten Erfolge wurde ich immer motivierter, durch Instagram kreativer und flexibler und heute arbeite ich daran balancierter zu werden. Ich weiß es lohnt sich! Du kannst das auch schaffen. Jeder kann es! Du musst einfach nur loslegen und NIE AUFGEBEN UND NICHT EINFACH WIEDER AUFHÖREN!!! Egal was die anderen Leute sagen.

Denn was andere Leute über uns denken, geht uns einfach mal GAR NICHTS AN!!

Ich weiß es gibt Menschen, die sind penetrant. Die wollen diskutieren und provozieren und drücken euch bei jeder Gelegenheit einen blöden Spruch rein – wer sind diese Menschen? Sind das eure Freunde? Ist das Familie? Oder Kollegen, die man jeden Tag sieht? Müssen wir uns mit ihnen umgeben? Wenn ja – welche Tricks gibt es, um besser damit klarzukommen und seinen Lifestyle weiterzuleben?


Jede Situation und jeder Mensch ist anders, aber ich mache es so:

1. Lächeln!

2. Ich lasse mich nicht mehr auf Diskussionen ein: „Jepp – ich mache das so. Isso. Punkt!“

3. Ich rechtfertige und entschuldige mich nicht. Ich bedanke mich für das Verständnis.

4. Ich umgebe mich automatisch mehr mit den Menschen, die mich verstehen oder ähnliche Interessen haben und weniger mit den Menschen, die mich runterziehen oder mir nur meine Energie rauben.

5. Bei Einladungen frage ich offen im Vorfeld nach, was es zu essen gibt oder ob ich selbst lieber etwas mitbringen soll (kommt auf die Situation und den Gastgeber an). Mir ist es sehr wichtig, dass der Gastgeber sich trotzdem wertgeschätzt fühlt.

6. Wenn mein Gegenüber BESONDERS „schwierig“ ist (gibt ja solche Menschen – die einfach alles besser wissen), dann greife ich manchmal zu einer etwas besonderen Ausrede: „Tut mir leid, aber ich darf das (z.B. Zucker) vom Arzt aus gerade nicht essen“ oder „Sorry, aber ich nehme gerade Medikamente und darf das (z.B. Milchprodukte wie Sahne etc.) nicht essen“ oder „Oh nein – das darf ich leider nicht essen – ich bin allergisch.“ Nach meiner Erfahrung sind das Totschlagargumente. Die ziehen immer und man hat ganz schnell seine Ruhe.

Mein Fazit: Lasst euch euren Spaß an eurem Lifestyle nicht nehmen Leute – IHR entscheidet, wie ihr ihn lebt. Es lohnt sich! Ihr habt nur die Verantwortung für euch selbst, also wer euch auch immer reinquatschen will – wünscht ihm einfach einen schönen Tag, lasst ihn lächelnd stehen und zeigt ihm beim Vorbeigehen euren geilen Hintern. Ach ja – und richtet noch ´nen schönen Gruß von mir aus. Unbekannterweise.

Anja (aka Pauli @call.me.the.pauli) – aus einem privaten Essenstagebuch auf Instagram wurde im letzten Jahr eine Begeisterung für Fitfood-Rezepte, die sie täglich auf ihrem Account teilt. Aktuell gründet Sie das Startup-Unternehmen PAULIKOCHT und möchte ihre große Leidenschaft „Mealprep“ für alle zugänglich machen. Mehr Infos und ihren Blog gibt es auf www.paulikocht.com
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