Vincent Feigenbutz: "Die Zeit läuft für mich!"

Er ist erst 19 Jahre jung, aber schon sehr selbstbewusst. Vincent Feigenbutz gilt als vielversprechendes deutsches Boxtalent. Der Karlsruher dominierte den Ring bisher nach Belieben. Jetzt wartet er auf die ganz großen Namen und macht schon mal eine deutliche Kampfansage.

Vincent, du hast eine beeindruckende Erfolgsbilanz. Was ist das Geheimnis hinter den vielen K.o.-Siegen? 

Eiserner Wille und eisernes Training. Ich boxe jeden Tag, um 11 Uhr die erste Einheit, um 18 Uhr die zweite. Ich habe eine gute Schlagkraft und bin mental sehr stark. Ich habe das Gen der Warriors, das ist wohl angeboren. Ich kann gut mit Druck umgehen, es ist nichts anders als beim ersten Kampf, auch wenn die Aufmerksamkeit steigt. Außerdem sind wir ein gutes Team: Hansi, mein Trainer, und Rainer, mein Manager. Wir drei sind wie die drei Musketiere. Uns kann niemand etwas anhaben... unser Zusammenhalt und das gegenseitige Verständnis sind ein Teil des Erfolgs. Das Team sprüht vor positiver Energie, das ist wichtig für die Motivation. Mehr wird nicht verraten...


Du bist seit drei Jahren im Profisport. Worin hast du dich in dieser Zeit am meisten verbessert? 

In allem... ich höre niemals auf, mich zu verbessern und zu lernen.


Was zeichnet den Boxsport aus?

Der Kampfsport bringt eine Menge guter Dinge mit: Disziplin, Sorgfalt, man lernt zuzuhören, hartnäckig zu bleiben, um seine Ziele zu erreichen, sowie solidarisch mit den Trainingspartnern zu sein. In meinem Studio, dem Bulldog Gym, fördern wir die Integration, indem Kinder jeder Herkunft und jeder Religion bei uns trainieren dürfen. Niemand wird ausgeschlossen, jeder ist ein Teil unserer Familie. Wir bieten ihnen einen Ausgleich und verschaffen ihnen das Gefühl gebraucht zu werden. Unser Sport formt sie zu einem selbstbewussten und tugendhaften Menschen. Sie lernen Kritik anzunehmen, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit sind weitere wichtige Tugenden. Höflichkeit und Freundlichkeit beginnt schon bei der Begrüßung und setzt sich im Alltag fort. Wir arbeiten und trainieren nach dem Motto: Ein gesunder Geist lebt in einem gesunden Körper.


Deine Kämpfe gehen selten über die dritte Runde hinaus – welcher Sieg hat dir bisher am meisten bedeutet? 

Alle Siege sind mir gleich wichtig, jeder Sieg ist ein Schritt in Richtung Ziel.

Eins der nächsten Ziele ist ein Kampf gegen Größen wie Robert Stieglitz oder Arthur Abraham. Wer wäre dein Lieblingsgegner?

Derjenige, der den WM-Gürtel hat natürlich. Ich bin der jüngste Intercontinental Champion der deutschen Boxgeschichte. Ich habe Stieglitz den Gürtel abgenommen, er wollte ihn nicht gegen mich boxen - das ist sehr schade. Ich hoffe, er überlegt es sich anders. Ich habe das Recht, als Intercontinental Champion und TOP 4 der Weltrangliste den Champion zu fordern. Deutschland ist ein freies Land, ich habe das Recht frei meine Wünsche zu äußern. Ich verfolge das Ziel, Weltmeister zu werden.


Die scheinen Respekt vor dir zu haben.

Der letzte Gegner von Abraham war die Nummer 39 der Weltrangliste, den hat er jetzt schon zwei Mal hintereinander geboxt. Die boxen ständig gegeneinander, wer will das denn sehen? Abraham und Stieglitz stehen sich sogar schon das vierte Mal gegenüber. Und dann kommt bald noch Sturm dazu. Obwohl der noch nie einen Kampf im Supermittelgewicht gemacht hat, ist er gleich oben gelistet - wie kann das sein? Muss ich warten, bis der achte Teil der Episode Sturm vs. Abraham anläuft?

Noch dazu ist nicht ein Deutscher unter den deutschen Weltmeistern. Der eine ist aus Russland, der andere aus Armenien und der Dritte aus Bosnien, sie geben sich nur deutsche Namen. Ich hab nichts dagegen, aber irgendwie scheint das nur dem Marketing zu dienen. Ich bin Deutscher und werde nicht mit einer anderen Flagge boxen, auch wenn wir mal Amerika und Las Vegas erobern. Ich bin irgendwann auch dran, das weiß ich, denn ich bin erst 19 Jahre alt und die alle über 35. Die Zeit läuft für mich!


Wie schätzt du deine Chancen gegen solch erfahrene Boxer ein?

Mein letzter Gegner hatte 250 Amateur- und 22 Profikämpfe. Er war noch nie am Boden, geschweige denn K.o.! Ich habe in Polen Gegner geboxt, die alle ungeschlagen waren. Ich sollte wohl dort zum Verlieren antreten, aber ich habe beide Male Polens Nummer eins K.o. geschlagen, im Halbschwer- und im Supermittelgewicht einmal in Runde 3 und einmal in Runde 1. 


Ein Vorteil für dich: Du bist noch sehr jung.

Fast alle meine Gegner könnten meine Väter sein und haben wesentlich mehr Erfahrung als ich. Sicherlich, ich werde immer dazu lernen und immer mehr Erfahrung sammeln, aber bestimmt nicht wie Dominik Britsch (Ex-Interkontinentaler Meister der IBF im Mittelgewicht, Anm. d. Red.) enden wollen, der 28 Kämpfe lang nur aufgebaut worden ist, um dann gegen einen No-Name zu verlieren und seine Karriere ohne Titel zu beenden.


Was guckst du dir von den deutschen (Ex-)Boxprofis ab? Du wirst ja auch von Regina Halmich unterstützt...

Nichts, mein Trainer Hansi übernimmt das Training und die sportliche Entwicklung, mein Manager Rainer macht den Rest. Wir rocken das rein nach unserem Plan.


Wer ist dein Vorbild?

Ich mag Iron Mike Tyson und GGG Genady Golovkin sehr... aber auch Nelson Mandela ist ein Vorbild.


Henry Maske hat kürzlich gesagt, dass du ihn an den jungen Mike Tyson erinnerst – ein großes Kompliment. Welche Parallelen zu ihm stellst du fest?

Wir haben beide eine große Schlagkraft und einen enormen Siegeswillen, dazu wie gesagt das Gen der Warriors.


Du möchtest Weltmeister werden – wie lange dauert es, bis wir dich ganz oben sehen?

Vielleicht schon 2015!


Welche sportlichen Ereignisse stehen in diesem Jahr noch an, was wird das Highlight?

Darüber darf ich jetzt noch nichts sagen, aber es wird bald ganz tolle Neuigkeiten geben!


Im Portrait

Vincent Feigenbutz ist der "Iron Junior" der deutschen Boxszene. 1995 in Karlsruhe geboren, begann seine Karriere im gleichen Studio, in dem auch Regina Halmich trainierte: im Bulldog Gym. Mit 16 Jahren bestritt er seinen ersten Profikampf, seitdem dominiert er im Supermittelgewicht (bis 76,203 kg) den Ring. Von 20 Kämpfen entschied er 19 für sich, 18 davon vorzeitig. Ein Hobby, das Vincent vom Boxen entspannt: "Angeln, das liebe ich!"


Bilder: Heiko Schmidt

Autor

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Catrin hat Sportjournalismus in Köln studiert. Wenn sie nicht über Sport schreibt, ist sie selbst aktiv: auf dem Tennisplatz und im Fitnessstudio. Seit Oktober 2014 schreibt sie für fitogram - natürlich über alles rund um das Thema Bewegung.