Friederike von Schwanenflug: "Im BDY verstehen wir Yoga als ganzheitlichen persönlichen Übungsweg"

Die BDY-Geschäftsführerin im Interview


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Es gibt einen Yoga-Boom in Deutschland, das zeigen unter anderem die Ergebnisse der fitogram Studie “Yoga-Markt in Deutschland 2016”. Wie hat sich der Yoga-Markt in den letzten Jahren Ihrer Meinung nach gewandelt?

Der Yoga-Markt ist größer und vielfältiger geworden. Vielerorts haben Interessierte die Auswahl zwischen unterschiedlichen Anbietern und unterschiedlichen Yoga-Traditionen. Yoga wird von unterschiedlichen Trägern angeboten wie Yoga-Studios, Volkshochschulen, Fitnessstudios und Sportvereinen.

Auch in Settings wie Kindergärten, Schulen, Betrieben, Krankenhäusern und Hotels ist Yoga inzwischen häufig anzutreffen. Zudem wächst das Angebot an Seminarwochenenden und Yoga-Reisen. Der Yoga-Ausbildungsmarkt explodiert, gerade in den Großstädten wie Berlin und Hamburg. Es gibt es eine große Bandbreite an Literatur und Produkten rund um Yoga. Auch werden immer mehr Yogalehrausbildungen angeboten.


Yoga ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, viele Fitnessstudios bieten Yoga-Kurse an. Welche Chancen und Risiken ergeben sich aus einer “Mainstreamisierung”?

Durch seine zunehmende Bekanntheit erreicht Yoga neue Zielgruppen und immer mehr Menschen werden auf die gesundheitsfördernde Wirkung von Yoga aufmerksam. Die Vielfalt der Angebote und die zunehmenden Möglichkeiten, mit Yoga in Berührung zu kommen, verändern auch das Image von Yoga.

Yoga wird heute seltener als Esoterik abgestempelt als früher. Inzwischen hat Yoga sich in der Gesellschaft und den Medien etabliert und ist interessant geworden für Personen, die früher dem Yoga eher skeptisch gegenüber standen. Yoga wird in neuen Zusammenhängen wahrgenommen und eingesetzt, zum Beispiel als Entspannungsmethode oder zur Gesundheitsförderung.

Damit geht einher, dass Menschen häufig zunächst mit einem körperlichen Anliegen zum Yoga kommen. Unter den vielen Yoga-Angeboten gibt es daher auch solche, die sich nur auf diese Komponente des Yoga beschränken und ausschließlich eine sportliche Körperpraxis anbieten.

Die Essenz des Yoga geht dabei verloren oder wird zumindest verwässert. Denn zum Yoga gehören neben Körperübungen auch Atemübungen, Meditation und die Yoga-Philosophie. Auch Yoga-Übende, die zunächst mit einem körperlichen Anliegen zum Yoga kommen, entdecken häufig mit der der Zeit das Yoga mehr ist und entwickeln sich dementsprechend weiter.

Entscheidend ist also nicht, dem neuesten Trend hinterherzulaufen, sondern sich zu informieren und in Erfahrung zu bringen, welcher Yoga-Stil und welcher Yogalehrende zu einem persönlich passt. Es gibt neben den großen Yoga-Studios und Fitnessstudios viele erfahrene Yogalehrerinnen und Yogalehrer, die einen qualifizierten Unterricht anbieten.


Manche Yogalehrerinnen sehen sich in einem Spannungsfeld zwischen kommerziellem Angebot und traditioneller Lehre. Gibt es einen grundsätzlichen Konflikt zwischen Yoga und der Marktwirtschaft?

Nein, solange sich das marktwirtschaftliche Handeln der Yogalehrenden im Rahmen des ethisch Verantwortbaren bewegt, sehe ich keinen grundsätzlichen Konflikt zwischen kommerziellem Angebot und traditionellen Lehren wie der vom Nicht-Horten. Es gibt eine große Nachfrage, so dass es Yogalehrende gibt, die Yoga zu ihrem Hauptberuf machen.

Die Yogalehrenden müssen ein Honorar nehmen und sich am Markt behaupten, um ihre Existenz zu sichern. Der Beruf wird jedoch in der Regel nicht aus finanziellem Interesse gewählt, sondern aus dem Wunsch, die Lehren des Yoga weiterzugeben. Eher sehe ich die Gefahr, dass Yogalehrende ausgenutzt werden, weil sie zu viel geben und zu wenig dafür nehmen.

Diese Fragen werden wir auch auf der nächsten Podiumsdiskussion unserer Veranstaltungsreihe „Yoga – Von der Matte ins Leben“ diskutieren. Unter dem Titel „Yoga – schnell gelernt und billig?“ soll unter anderem die Frage erörtert werden, ob und wenn ja weshalb Yogalehrende sich nicht trauen, einen angemessenen Preis für ihren Unterricht zu nehmen.

Veranstaltungsreihe: Yoga – Von der Matte ins Leben


Viele Interessierte suchen mittlerweile online nach einem passenden Yoga-Kurs. LehrerInnen verpassen teilweise die Möglichkeit, online sichtbar zu sein. Welchen Stellenwert hat Online-Marketing Ihrer Erfahrung nach für Yogastudios und warum hinken Yogastudios im Vergleich mit anderen Gesundheitsanbietern oft noch hinterher?

Online-Marketing gewinnt natürlich auch für Yoga-Studios zunehmend an Bedeutung. Bei unseren Mitgliedern hat es trotzdem häufig noch einen eher schwachen Stellenwert. Das liegt zum einen an der Altersstruktur der Mitglieder. Älteren Yogalehrenden mangelt es oft an Erfahrung mit dem Internet und den digitalen Medien. Hier ist noch viel Erklärungs- und Überzeugungsarbeit nötig.

Zum anderen beobachte ich bei Yogalehrenden auch eine gewisse Skepsis sowohl gegenüber Marketing als auch gegenüber bestimmten Plattformen im Internet. Diese Yogalehrenden sind sehr reflektiert und haben eine kritischere Haltung. Sie möchten nicht um jeden Preis alle Möglichkeiten des Marketings ausschöpfen.


Wie wichtig ist es für Yogastudios, sich innerhalb eines Marktes mit großer Konkurrenz gegenüber größeren Anbietern wie beispielsweise Fitnessstudios zu positionieren?

In die Yoga-Studios kommen häufig Menschen, die tiefer in den Yoga einsteigen möchten. Sie suchen nach einer tieferen Bindung zum Lehrenden und möchte mit Yoga auch einen längeren Entwicklungsweg verfolgen. Im Fitnessstudio ist es in der Regel weniger wichtig, wer vorne steht. Für Yoga-Studios sind die Persönlichkeit des Lehrenden und die Qualität des Angebots entscheidend.


Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, was “Yoga” eigentlich ist und was er imstande zu leisten ist. Hat der BDY dazu eine klare Stellung und inwiefern ist es ein Problem für den Yoga, dass es keine klare Bedeutungshoheit gibt?

Im BDY verstehen wir Yoga als ganzheitlichen persönlichen Übungsweg, der mit seiner differenzierten Methodik sowohl die physische als auch die emotionale und geistig-spirituelle Ebene des Menschen erreicht, also alle Dimensionen menschlichen Seins umfasst.

Dieses Verständnis von Yoga beruft sich auf die altindische Weisheits- und Lebenslehre des Yoga mit ihren großen Traditionen. Im BDY erkennen wir aber auch die Notwendigkeit an, den indischen Übungsweg des Yoga für den abendländischen Menschen gangbar zu machen. Hinsichtlich dessen, was Yoga leisten kann, gibt es mittlerweile eine Vielzahl von klinischen Studien.

Die Studien weisen darauf hin, dass Yoga sowohl präventiv als auch im therapeutischen Kontext positiv wirken kann. Hier sind insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Einschränkungen und Verletzungen des Bewegungsapparates und psychische Erkrankungen zu nennen. Dass es unterschiedliche Auffassungen gibt, was Yoga ist und was er leisten kann, geht mit seiner Vielseitigkeit und seinen vielfältigen Traditionen einher.

Der BDY nimmt Yogalehrende unabhängig ihrer Tradition als Mitglied auf. Die Vielfalt im Yoga zu respektieren und im Austausch miteinander einen respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander zu pflegen, ist Bestandteil der berufsethischen Richtlinien des BDY. Wir suchen nicht das Trennende, sondern das Verbindende.


Befinden sich der deutsche und europäische Yoga-Markt weiter auf Wachstumskurs, oder halten Sie eine Konsolidierung für möglich?

Wir können nur für den deutschen Markt sprechen. Dort sehen wir immer noch Wachstum, wenn auch nicht mehr so stark. Einen größeren Wachstumsmarkt sehe ich noch im Bereich der Spezialisierung. Angebote für bestimmte Zielgruppen nehmen zu, zum Beispiel Yoga für ältere Menschen oder Yoga im Bereich Gesundheitsförderung und Therapie.


Yoga-Unterricht, Equipment, Online-Kurse, DVDs: Der Yoga-Markt ist milliardenschwer. Droht die Gefahr, dass Yoga zum “Produkt” verkommt?

Nein, diese Gefahr besteht nicht. Die Lehren des Yoga bestehen seit Jahrtausenden und werden auch weiterhin bestehen. Sicherlich gibt es auch Angebote und Produkte auf dem Markt, die rein kommerziell motiviert sind.

Dem steht jedoch eine Vielzahl von gut ausgebildeten Yogalehrenden gegenüber, die Yoga in all seinen Aspekten an ihre Schülerinnen und Schüler weitervermitteln. Die vierjährige Ausbildung zum Yogalehrenden BDY/EYU, in der der Yoga-Philosophie ein großer Anteil zukommt, trägt dazu bei, dass das so ist und auch so bleibt.

Yoga ist eine Erfahrungswissenschaft. Deshalb werden Übende durch die eigene Erfahrung und den persönlichen Übungsweg feststellen, dass Yoga eine Geisteshaltung ist, die in alle Lebensbereiche ausstrahlen kann.


In den USA nutzen Expertenschätzungen zufolge knapp 80 Prozent aller Gesundheitsanbieter digitale Lösungen zur Kurs- und Kundenverwaltung. Glauben Sie, dass das ein Trend ist, der sich in Zukunft auch in Deutschland stärker durchsetzen wird?

Bestimmt, die Welt wandelt sich und die fortschreitende Digitalisierung macht auch vor Yoga-Studios nicht Halt. Ob Yoga-Studios solche Lösungen nutzen, hängt aber auch von der Größe der Studios ab.

Für große Studios mit vielen Teilnehmer sind digitale Lösungen sicherlich effizient, aber für einzelne Yogalehrende nicht unbedingt.


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